Der Fluch des Alleinseins

Drei Monate, bzw. 90 Tage ist es her, als ich mit dem Flieger nach Kapstadt zu meiner Weltreise aufgebrochen bin. Einfach Wahnsinn wie schnell die Zeit vorüber geht. Südafrika ist schon so dermaßen weit weg und fühlt sich an wie ein Urlaub den ich einmal vor zig Jahren gemacht habe. Genauso geht es mir teilweiße mit Asien.

Was aus meiner Sicht nicht schlecht ist. Jedes Land ist im Gedächtnis als eine große und abenteuerliche Reise abgespeichert . Fügt man diese Puzzleteile zusammen, ergibt es ein Gesamtwerk.

Genug sinniert. Bevor ich jetzt noch anfange über den Sinn des Lebens zu schreiben, das Thema ist viel zu abstrakt und würde die Zeit von mir und euch verschwenden, schreibe ich lieber mal was ich so die letzten Tage angestellt habe.

Im letzten Blogeintrag meinte ich ja ich wäre in Rotorua angekommen. Dort hatte ich zwei schöne und interessante Tage. Die Stadt stinkt permanent nach verfaulten Eiern (seid froh das es noch keine Geruchsdateien gibt, sonst würde ich sie hier dem Blog anhängen) , was dem Schwefeldampf zuzurechnen ist, der die ganze Stadt von allen Seiten zunebelt.

Ich hatte mir tatsächlich ein Mountainbike ausgeliehen und bin ab in die Berge. Rotorua ist bekannt für seinen Redwood Forest, riesige Bäume die es auch in den Nationalparks der USA gibt. Hier allerdings mit der Besonderheit, dass neben diesen Bäumen Palmen und diverse andere Pflanzen die man eher in einem Regenwald vermutet, stehen.

Da es jede Menge Trails extra für die Mountainbikes gab, war es echt eine sehr lustige und energiegeladene Abwechslung zu dem tagtäglichen Wandern was ich bisher gemacht hatte. Es ist zwar unfassbar anstrengend den Berg hochzufahren, aber es macht so dermaßen Spaß die Pisten runterzudonnern. Stufe 5 von 6 hab ich sogar geschafft, aber das war tatsächlich waghalsig. Kein Wunder bei der Pistenbezeichnung „ Rock Drop“. Als fallenden Stein habe ich mich tatsächlich gefühlt.

Unbeschadet und nur mit einem dicken blauen Fleck auf der Wade ging es dann tagsdrauf zum nächsten Spot. Heute stand die Stadt Matamata auf dem Programm. Wenn ihr euch fragt, was kann man da machen? Antwort: Sich noch größer fühlen, als man eh schon ist! Es ging nach Hobbiton.

Hobbiton, ist der Ort in dem die Hobbits, wie der Name schon sagt, aus Herr der Ringe leben. Direkt um 09:00 Uhr morgens startete meine zweistündige Tour durch die Welt der Hobbits. Wunderschön gemacht, sehr interessant, lag auch an dem Tourguide. Das große Aber ist, man muss wirklich die Massen an Menschen ausblenden können. Im fünf Minuten Takt starten Busse mit jeweils 40 Leuten.

Dennoch der Eintritt (knapp 50€) hat sich gelohnt, immerhin gibt es am Ende jeder Tour ein „kostenloses“ Bier oder Cider im Pub Green Dragon. Was mich sehr interessiert hat und ich bin ja jetzt wirklich ein Laie, ist wie alles perfekt in Szene gesetzt ist. Egal welches Bild ich mit der Kamera gemacht hab, jedes war richtig gut.

Da es noch recht früh am Tag war, bin ich dann spontan einfach mal drauf losgefahren. Irgendwann ging die Straße nicht mehr weiter und ich war das erste Mal an der Küste.

Besser gesagt ich war in der Gegend des Coromandel Forest. Einer sehr schönen Gegend zum Wandern, wenn das Wetter stimmt. Bei mir hatte es das nicht, es sollte durchregnen die kompletten nächsten drei Tage!

Einen Tag das ganze mitgemacht und dann entschieden. „Nein das gebe ich mir nicht, ich fahre weiter.“ Den Hotspot Hot Water Beach, wo man sich mit einer Schaufel am Strand ein Loch buddelt und sich hineinsetzt, weil warmes Wasser aus der Tiefe hochsteigt, mitgenommen und dann bis kurz vor Auckland weitergefahren.

Die nächsten Tage sollten dann sehr ruhig werden. Bis auf kleine Ausflüge, aufgrund von braunen Schildern am Straßenrand, hab ich nicht viel gemacht.

Ich habe es noch geschafft mit meinem Camper bis nach Hihi Beach zu kommen. Eine relativ weit oben im Norden gelegene Ortschaft , ca. 125km vom Cape Reigna (dem nördlichsten Punkt Neuseelands) entfernt. Da mir der Campingplatz so gut dort gefallen hat, bin ich hier einfach mal vier Tage geblieben. Bei dem Sonnenuntergang meiner Ansicht nach, auch kein Wunder.

Was habe ich in den vier Tagen gemacht? Nicht sonderlich viel könnte man meinen, im Endeffekt doch Einiges. Ich wollte mich in Neuseeland auch etwas mit mir auseinandersetzen. Beste Gelegenheit wenn man alleine ist, dachte ich mir.

Im Endeffekt hat das auch wunderbar funktioniert, mehr als ich eigentlich wollte.

Wenn man abgelenkt ist, dann beschäftigt man sich nicht wirklich mit sich. Wenn dann aber gar nichts zu tun ist, merkt man erstmal wie sehr einen Alleinsein beschäftigt. Ich schreibe jetzt Alleinsein und nicht Einsamkeit, weil dieses Wort wäre das Falsche. Alleinsein ist mein momentaner Zustand „allein in Neuseeland“, Einsamkeit bedeutet ich würde Niemanden haben, was in diesem Fall meinen Blog überflüssig machen würde, den in diesem Fall ja eh keiner lesen würde. Danke an eine gute Freundin die mich auf diesen Trichter gebracht hat.

Ich schreibe das, weil ich eben auch in den letzten Tagen hin und hergerissen war, wie meine zukünftige Reise aussehen soll. Seit längerem überlege ich, Südamerika auszulassen und direkt weiterzufliegen. Die Überlegung allein durch Südamerika zu reisen, hat in mir eine gewisse Furcht vor dem Risiko der Unwissenheit hervorgerufen.

Nach langem überlegen und abwägen der potenziellen „Notfallpläne“, habe ich mich jetzt doch dafür entschieden ein knackiges Südamerika-Programm auf die Beine zu stellen. Getreu dem Motto, sei abgelenkt und du fängst erst gar nicht an zu überlegen.

Sich selbst austricksen ist glaub ein guter Weg im Endeffekt nichts zu bereuen. Das heißt, ich habe eigentlich gestern den ganzen Tag damit verbracht eine Tour auf die Beine zu stellen. Heute Morgen bin ich mit einem Grinsen aufgestanden und freue mich auf die nächsten Wochen Alleinsein und auf ein neues Kapitel in Südamerika.

Bevor ich das aber in Angriff nehme, habe ich jetzt noch eine Woche Zeit hier in Neuseeland. Was habe ich hier noch vor? Heute steht erstmal Cape Reigna an und dann lasse ich mich von den restlichen braunen Schildern führen die am Wegesrand stehen. Ich habe meine Hotspots auf der Nordinsel abgearbeitet und genieße einfach noch etwas die Freiheit tun und lassen zu können, was ich will.

Nächste Woche vor Abflug werde ich mich noch einmal melden. Dann erfahrt ihr was ich tatsächlich noch gemacht habe und was meine Pläne für Südamerika sind.

Bis dahin eine noch schöne restliche Woche.

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